SATT - Austellung im Rahmen der Langen Nacht der Kölner Museen 2011

Foto: Silviu Guimann

 

 

SATT - das sind Sandra Zuanovic, Andreas Lang, Tarek Abu Hageb und Tanja Selzer, junge KünstlerInnen mit exzellenter Ausbildung, based in Malerei. Anlässlich der Langen Nacht der Kölner Museen am 5. November 2011 gaben sie, zum Auftakt einer Tour im Kunstverein artrmx e.V. einen Überblick über die Spielarten einer jungen, erfrischten Malerei.


Zusammen mit dem artrmx e.V. und ihren Gästen Katja Pudor, Birgit Bellmann, Roland Schmitz und Michael Sistig aus Köln und Berlin wagten sie sich auf offenes Gelände, erkundeten neue Wege in der Malerei und überschritten die Grenze zu den benachbarten Gebieten Grafik und Skulptur.

 

 

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ÖFFNUNGSZEITEN

 

Vernissage: 5. November 2011 Lange Nacht der Kölner Museen 2011, 19-3 Uhr
Ausstellungsdauer: 6. bis 13. November 2011, 15-20 Uhr
Ausstellungsort: Rheinlandhalle, Venloer Str. 389, 50825 Köln (Eingang unterhalb des Leuchtturms)

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KÜNSTLER

 

 

Tarek Abu Hageb

Für seine Polygravuren tauscht Tarek Abu Hageb (*1972, Basel) Leinwand gegen Teppich und Pinsel gegen Lötkolben. Auf dem Inbegriff kuscheliger Inneneinrichtung erscheinen – halb Druckstock, halb Skulptur – eine in Einzelteile zerlegte Pistole oder Goyas „Schlaf der Vernunft“ aus der Serie „I go GOYA“. Ein Wolf, ausgeschnitten aus Kunstfell, schüchtern und zu Aggressivität kaum in der Lage sowie andere Zootiere in den Collagen Abu Hagebs scheinen zu keinem Kampf mehr fähig. In der Plastik „Du“ hat sich eine mysteriöse Verwandlung vollzogen: Ein menschliches Skelett mit Vogelkopf und Flügeln, Mensch und Tier vereint: Menschliche Intelligenz und ungebremster tierischer Instinkt als tödlichste aller Waffen. www.tarekabuhageb.com

 

 

 

 

Birgit Bellmann

Die textile Plastik „Knit me an ice shield“ von Birgit Bellmann (*1973, Erlangen) erobert Stück für Stück den Raum: Bellmann entschied sich anders als Zuanovic für real gestrickte Maschen, für die Faser als Linie, für den Raum als Ausgangsmaterial. Die Künstlerin lädt Menschen dazu ein, ein persönliches Stück für die „Eisdecke“ zu stricken. Bislang wurden u. a. Schafwolle, Wäscheleine, Bast, Werbebanner und Luftpolsterfolie verstrickt. Im Gegensatz zur realen polaren Eisdecke, die sukzessive ihrer Auflösung entgegen schmilzt, wächst die gemeinsam gestaltete Decke immer weiter. Auch in Köln wird kostenloses Material zum Stricken angeboten (siehe EXTRAS). www.birgitbellmann.de

 

 

 

 

Andreas Lang

Eine von Bäumen überwucherte Hütte im Wald, eine menschliche Silhouette vor einem mächtigen Berg. Anklänge an die Romantik finden sich in Langs Arbeiten genauso wie die Erinnerungen an seine Jugend, geprägt von Musik unterschiedlicher Stilrichtungen. Der Polarforscher Lawrence Oates als fragiles Liniengespinst lässt die zu seiner Zeit noch intakte Eisdecke und die todbringende Erhabenheit der Natur auf sich wirken.
Mit seiner Maltechnik bewegt sich Andreas Lang (*1971, Dresden) an der Schnittstelle zwischen Malerei und Zeichnung. Dabei grundiert er die Malfläche dunkel und arbeitet im Wechsel zeichnerisch mit weißen Linien und Punkten, über die er anschließend lasierende Farbflächen legt. Damit erzielt er ein geheimnisvolles Leuchten seiner Bildwelten. www.andreaslang.info

 

 

 

 

Katja Pudor

Von der Wand in den Raum hinein bewegen sich Katja Pudors (*1965, Berlin) großformatige Wandarbeiten. Es sind weniger traditionelle Wandarbeiten, vielmehr transformiert Katja Pudor die Wände: Sie werden auf ebenso delikate wie charmante Weise aufgelöst. Sie entfalten sich, als Linie und Ornament in den Raum hinein gedreht, geschraubt, drapiert und gewunden und vergessen darüber ganz ihre abgrenzende und tragende Funktion. Ein gotisches Phänomen, das Katja Pudor mittels zahlreicher verschiedener Materialien und Farben erreicht und dabei das Raumerleben völlig verändert. www.katjapudor.de

 

 

 

 

Roland Schmitz

Roland Schmitz’ (*1972, Waiblingen) Plastiken gehören einer anderen Spezies an: Seine „Galerie-Zombies“ – wie mit weißem Schlick überzogene Skelette untoter Tiere – verschlingen die Farbe, plündern mit unstillbarem Appetit die nächtliche Galerie und würgen Unverdaubares als Gewölle wieder hervor. Eine Persiflage auf die Gier der Kunst- und Sammlerszene nach Neuem und auf die Vergänglichkeit, der jeder Trend letztlich unterworfen ist. Weitere „Züchtungen“ aus Schmitz’ Labor: Zombieratten, Guerilla-Gorillas, Aasgeier und hässliche Hunde. In seiner Staubsaugerinstallation „Piet and me meeting in a nightmare” lässt er schließlich die drei Grundfarben in einer Luftschlacht aufeinander los. www.rolandschmitz.com

 

 

 

 

 

Tanja Selzer

Ein Mann im Mohnfeld, der mit gierigen Augen die reife Pflanze betastet, andere, die mit Stöcken auf die Mohnblüten einschlagen, ein blonder Schopf in pinkfarbener Unterwäsche, ein ausgetrockneter Kanal inmitten zerstörter Häuser unter einem subtropischen Gewitterhimmel: Tanja Selzer (*1970, Idar-Oberstein) schöpft bei ihren Gemälden, bei denen sie die Farbe in Lasuren dünn aufträgt, aus dem Fundus aktueller Bilder aus unterschiedlichen Medien, deren Verwertungskette sie mittels eines komplexen Bildbearbeitungs- und Manipulationsprozesses fortsetzt. Wie verändert sich die Rezeption des Bildes? In den im Wortsinne vielschichtigen Gemälden scheint stets eine noch unbekannte Katastrophe zu lauern. www.tanjaselzer.de

 

 

 

Michael Sistig

Planeten und Monde mit Tentakeln leuchten düster und wie drohende Vorzeichen einer mystisch-interkosmischen Apokalypse über zerfurchtem Land. Sie leuchten auf Personen, die verzweifelt das Licht suchen und glauben, es in der dunklen Nacht gefunden zu haben. Eine Dürer’sche Nacht mit lautlos brausenden Vorboten des sicheren Verhängnisses. Michael Sistigs (*1982, Bonn) hermetische Gemälde mit ihren surrealistisch-deplazierten Figuren entziehen sich beharrlich jeder schnellen Interpretation. Der Betrachter bleibt mit einem unguten Gefühl zurück: Die Katastrophe steht kurz bevor. www.michael-sistig.de

 

 

 

 

Sandra Zuanovic

 Ebenfalls an und mit der Wand arbeitet Sandra Zuanovic (*1973, Slavonski Brod, Kroatien). In ihrer für den Ausstellungsraum geschaffenen Installation häuft sie aus der abgekratzten Farbe ihres wandfüllenden Bildes dessen Titel als Schriftzug auf dem Boden auf. Ihre kleinformatigen Zeichnungen, für die sie neben Gelstiften auch Nagellack, Glitzer und Acrylfarbe verwendet, erscheinen als weibliche Silhouetten, Porträts ohne Gesicht, oder sprechende Accessoires, wie der Spitzen-BH in „BH2“. Die Formen und Figuren bestehen aus maschenförmig verschlungenen Linien, welche die Bildfläche als Allover füllen, nicht ohne sie jedoch als luftige Komponente zwischen den einzelnen Maschen durchscheinen zu lassen. www.sandra-zuanovic.de

 

 

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EXTRAS

 

Für die Herstellung der textilen Skulptur „Knit me an ice shield“ konnten interessierte StrickerInnen helfen. Wolle sowie alle Arten von recycelten Stoffen, konnten in Streifen geschnitten und verstrickt werden. Gratismaterial wurde auf Wunsch zur Verfügung gestellt.